Das zweite Geheimnis des Ritters Pitter vom versunkenen Schloss

 

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Wie schon seit Jahren begaben sich am ersten Wochenende im September einige Herrschaften aus Immigrath auf die Bercheser Kirmes. Berches ist übrigens die mundartliche Bezeichnung für den Langenfelder Stadtteil Berghausen. Die dortige Kirmes jedenfalls kennt als Besonderheit einen Lauf in Weiß gekleideter Herren in weißen Holzschuhen (Blotschen), alte Schubkarren (Schürreskarren) vor sich herschiebend, um ein inzwischen magisches "Blaues Band". Natürlich gibt es hierzu Vorausscheidungen, denn die Zahl der Bewerber um das Band ist groß. Garniert wird das Ganze durch Kettcar-Rennen der Kinder und Wettbewerbe mit speziellen Schürreskarren für Heranwachsende.
Die Veranstaltung an sich nahm auch in 2006 wie gewohnt ihren Verlauf, jedenfalls für den uneingeweihten Betrachter. Dennoch gab es im Hintergrund einen ungewöhnlichen Zwischenfall, von dem hier zu berichten ist. Selbst der Vorsitzende des Vereins,Siggi Schultk, ließ sich noch auf der Jahreshauptversammlung im "Bercheser Treff" (vormals "Krone") dahingehend aus, dass die Dorfkirmes des Jahres eine besondere Note aufgewiesen hätte. Mit diesen Worten jedenfalls zitiert ihn der Wochenanzeiger in seinem Bericht vom 25.10.2006. Was man sich unter dieser "besonderen Note" vorzustellen hat, wollte der Vorsitzende dann aber offenbar wegen der anwesenden Presse nicht preisgeben. Dennoch sei Ihnen natürlich das Geheimnis verraten:
Da standen die erwähnten Herrschaften aus Immigrath an einem Stehtisch, um in aller Ruhe das Treiben der Kirmesjonge zu beobachten, als plötzlich der Blick des Ritters auf einen hellblauen Streifen Stoffs mit goldenen Buchstaben fiel. Nach Entfalten stellte sich heraus, dass dieser Streifen Stoffs das "Blaue Band" der Kirmesjonge war. Ganz und gar nicht räuberisch, wie man es von einem Ritter eigentlich erwartet hätte, gelangte so der Ritter Pitter vom versunkenen Schloss in den Besitz der Trophäe aller Trophäen aller Kirmessen schlechthin.
Was also tun? Das Band zurückgeben ohne Kommentar bewirkt keinen Lerneffekt und das Band vernichten, wäre allenfalls asozial gewesen. Also musste es - da war man sich gleich einig, um Schaden von der Veranstaltung fernzuhalten - rechtzeitig vor der Siegerehrung in die Hände des Vorsitzenden zurück. Erfreulicherweise unterhielt Arno, seines Zeichens musikalischer Entertainer und Bruder des großen Vorsitzenden, unterdessen das Publikum des Festzeltes. Nach einigen musikalischen Darbietungen gelang es, Arno an den Tisch zu lotsen, um ihm das Geheimnis zu stecken. Arnos Gesichtszüge entgleisten, er stammelte nur: "Ach, du Scheiße, das Blaue Band" und entfleuchte vor das Festzelt, wo man ihn dann telefonieren sah.
Flugs nahte der Bruder heran, dem ohne Umschweife das Band übergeben wurde, nicht ohne Hinweis, dass man an Finderlohn - zumindest an ein Freibier - gedacht habe. Doch Siggi ließ sich nicht lumpen und brachte sogar zwanzig Biermarken für das Auslösen des Bandes. Dennoch hatte sich der Ritter Pitter bereits in den Sanitäranlagen des Brandhofs ganz ohne Rennerei zum Sieger erklärt, wie das etwas unscharfe Handybild veranschaulichen mag.
 
 

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